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Gazprom
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Die PAO Gazprom (russisch Đ“Đ°Đ·ĐżŃ€ĐŸĐŒ; wiss. Transliteration und engl. Transkription Gazâ€Čprom, deutsche Transkription Gasâ€Čprom; Kurzform von russisch ĐłĐ°Đ·ĐŸĐČая ĐżŃ€ĐŸĐŒŃ‹ŃˆĐ»Đ”ĐœĐœĐŸŃŃ‚ŃŒ â€Čgasowaja proâ€Čmyschlennost ‚Gasindustrie‘) ist das weltweit grĂ¶ĂŸte Erdgasförderunternehmen und mit 98 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung (2019)cite-ref-1-3-0[3] eines der grĂ¶ĂŸten Unternehmen Europas. In Russland ist Gazprom mit rund 473.800 BeschĂ€ftigten (2019)cite-ref-1-3-1[3] einer der grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber des Landes. Der russische Staat hĂ€lt 50 Prozent und eine Aktie an dem Unternehmen und im Aufsichtsrat die Mehrheit der Sitze. Der Unternehmenssitz befindet sich in St. Petersburg. Gazprom ist im RTS-Index gelistet. Seit 1992 ist Gazprom eine Aktiengesellschaft. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 ergab, dass Gazprom mit einem Ausstoß von 43,23 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent seit 1965 das Unternehmen mit dem weltweit dritthöchsten Ausstoß in diesem Zeitraum war.cite-ref-guardian-2019-10-09-4-0[4]

Gazprom kontrolliert das russische Pipeline-Netz fĂŒr Erdgas und verfĂŒgt dadurch faktisch ĂŒber ein Monopol fĂŒr dessen Export. Andere russische Erdgasproduzenten, unabhĂ€ngige Unternehmen oder Beteiligungen von Gazprom sind auf dieses Netz angewiesen.cite-ref-5[5] Somit wurden 2019 132,1 Milliarden Kubikmeter Gas von anderen Erdgasproduzenten durch das Transportsystem von Gazprom geleitet.cite-ref-1-3-2[3]

Mit einem Umsatz von 122,6 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 22,7 Mrd. USD, stand Gazprom laut Forbes Global 2000 im Jahr 2020 auf Platz 32 der weltgrĂ¶ĂŸten Unternehmen.cite-ref-forbes2005-6-0[6]

Gazprom produzierte nach eigenen Angaben 2019 etwa 501,2 Milliarden Kubikmeter Gas und leitete 679 Milliarden Kubikmeter Gas durch sein 175.200 km langes Pipeline-Netzwerk.cite-ref-1-3-3[3] Davon wurden in den Jahren 2018–2019 zwischen 175 und 180 Milliarden Kubikmeter nach Europa transportiert. Diese Menge fiel auf 63 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2022 und weiter auf 28,3 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2023.cite-ref-7[7]

Contents

‱ Gasstreit
‱ Kritik
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Englisch
‱ Weblinks

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Entwicklung des Unternehmens

Gazprom ist eine AbkĂŒrzung fĂŒr Gasindustrie (russisch ĐłĐ°Đ·ĐŸĐČая ĐżŃ€ĐŸĐŒŃ‹ŃˆĐ»Đ”ĐœĐœĐŸŃŃ‚ŃŒ, gasowaja promyschlennost) und war frĂŒher der GeschĂ€ftsbereich Gasförder- und Gastransportindustrie des Ministeriums fĂŒr Erdöl- und Gaswirtschaft der UdSSR (Mingazprom), eines so genannten Branchenministeriums. Im Zuge der Perestrojka wurde die Behörde im Jahr 1989 in den russischen Staatskonzern Gazprom umgewandelt.cite-ref-8[8] Der bisherige Minister fĂŒr Erdöl- und Gaswirtschaft, Wiktor Tschernomyrdin, wurde zum ersten geschĂ€ftsfĂŒhrenden Vorstandsvorsitzenden gewĂ€hlt. Als Tschernomyrdin 1992 MinisterprĂ€sident wurde, folgte ihm sein Stellvertreter Rem Wjachirew als Gazprom-Vorstandsvorsitzender.

Seit Mai 2001 ist Alexei Miller Vorstandsvorsitzender. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Juni 2008 der ehemalige russische Regierungschef Wiktor Subkow. Beide gelten als enge Vertraute des russischen PrÀsidenten Putin, die dieser seit seiner TÀtigkeit in der Stadtverwaltung in Sankt Petersburg kennt. Bis zur Ernennung Subkows als Aufsichtsratsvorsitzender bekleidete der spÀtere russische PrÀsident Dmitri Medwedew diesen Posten.

Die von der StaatsfĂŒhrung gewollte Fusion des Gasproduzenten mit dem staatlichen Ölunternehmen Rosneft wurde am 2. MĂ€rz 2005 gegen das WiderstrĂ€uben dessen Managements vollzogen. Durch Aktientausch erlangte Rosneft die Anteilsmehrheit an Gazprom.cite-ref-9[9]

Am 21. Mai 2014 schloss Gazprom einen Vertrag mit dem staatlichen chinesischen Ölkonzern China National Petroleum Corporation ĂŒber die Lieferung von jĂ€hrlich mindestens 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China ab 2018 fĂŒr eine Dauer von 30 Jahren. Insgesamt entsprach der Wert des GeschĂ€ftes etwa 400 Milliarden US-Dollar.cite-ref-10[10] Der erwĂŒnschte Beitrag zur Finanzierung seitens China blieb aus. Damit wurde ein Ertrag fĂŒr Gazprom aus dem verpolitisierten Projekt etwas unwahrscheinlicher.cite-ref-profiteure-11-0[11]

Wichtigste GeschÀftsbereiche und Unternehmensstrategie

Gazprom kontrolliert die Gaswirtschaft Russlands weitgehend, hat das Monopol fĂŒr den Erdgasexport aus dem Land und ist weltweit grĂ¶ĂŸter Gasexporteur. Es gibt nur wenige andere Förder- und Handelsgesellschaften im Erdgasbereich. Das Unternehmen erbringt rund 85 Prozent der russischen Erdgasförderung, was rund einem FĂŒnftel der weltweiten Förderung entspricht. WĂ€hrend des Zerfalls des Rubels im Jahr 2015 forderten andere Gasproduzenten, allen voran Rosneft, direkten Zugang zum Pipeline-Transportsystem. Gazprom konnte dank dem schwachen Rubel gĂŒnstig bei anderen Produzenten Gas einkaufen und als monopolistischer Exporteur bei der Ausfuhr davon profitieren.cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]

2005 vereinbarten die deutschen Unternehmen E.ON und BASF mit Gazprom, eine Erdgasleitung durch die Ostsee zu verlegen. Gerhard Schröder, nach der Bundestagswahl 2005 nicht mehr Kanzler, nahm ein Angebot von Gazprom zur Mitarbeit im Aufsichtsrat der NEGP an.

Gazprom ist nicht nur im Erdgasbereich tĂ€tig. Weitere GeschĂ€ftsbereiche sind in Russland – neben dem Erdölbereich – insbesondere die Stromwirtschaft, der Medienbereich und das Bankwesen. Kritiker der Unternehmenspolitik fordern von der Gazprom-FĂŒhrung eine Konzentration auf die Energiewirtschaft. Sie sehen eine Verzettelung, die das Unternehmen unĂŒberschaubar macht. Gazprom wird in Presseberichten auch immer wieder eine besonders ausgeprĂ€gte AnfĂ€lligkeit fĂŒr Korruption vorgeworfen. Die AktivitĂ€ten der Gesellschaft sind derart verpolitisiert, dass Gazprom schlussendlich keine Gewinne erwirtschaften kann. Eine Bankanalyse im Jahr 2018 stellte fest, dass die Profiteure der Investitionen in die Projekte Kraft Sibiriens, Nord Stream 2 oder Turkish Stream wohl eher die Bauunternehmer waren.cite-ref-profiteure-11-1[11]

ErklĂ€rtes Ziel der Gazprom-FĂŒhrung ist, das Unternehmen zum weltweit fĂŒhrenden Energiekonzern auszubauen. In den letzten Jahren hat sie bedeutende Beteiligungen im Ölbereich (Sibneft) und Strombereich erworben. Dabei will sich Gazprom nicht auf Russland und den Export von Energie aus Russland beschrĂ€nken, sondern ĂŒber ihre Exportgesellschaft Gazprom Export auch ihre AktivitĂ€ten im Ausland, einschließlich des Vertriebs von Energie an Endverbraucher, verstĂ€rken.

Gazprom Ă€ußerte sich auf einer Hauptversammlung am 29. Juni 2007 zu seiner weiteren zukĂŒnftigen Strategie. Es möchte auch in Zukunft der wichtigste Gaslieferant in Russland bleiben und daneben den Hauptabsatzmarkt Europa durch den Bau von neuen Pipelines sichern. Wichtig war die Inbetriebnahme der Gasförderung auf der Jamal-Halbinsel in Sibirien 2011.cite-ref-14[14] Gazprom denkt des Weiteren aktiv ĂŒber Partnerschaften mit europĂ€ischen Partnern nach.cite-ref-gasproms-zukunftsstrategie-15-0[15]

Am 25. Januar 2008 wurde in Moskau in Anwesenheit des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und des serbischen PrĂ€sidenten Boris Tadić ohne vorhergehende Ausschreibung ein Kaufvertrag ĂŒber die Mehrheitsbeteiligung am staatlichen serbischen Energiekonzern Naftna industrija Srbije (NIS) fĂŒr 400 Millionen Euro unterzeichnet. Zudem einigten sich die russische und serbische Seite bezĂŒglich des Baus der Gaspipeline South Stream ĂŒber serbisches Territorium, um damit die Gasversorgung SĂŒdosteuropas abzusichern.cite-ref-16[16]

Zahlen und Fakten

Mitarbeiter
Gazprom beschÀftigt rund 477.600 Mitarbeiter (2020).cite-ref-annual2020-17-0[17]
Diese unterteilen sich in: 54,5 % Arbeiter, 36,1 % FachkrĂ€fte sowie 13,9 % FĂŒhrungskrĂ€fte und weitere Mitarbeiter.
Erdgasreserven und -ressourcen
Gazprom verfĂŒgt ĂŒber etwa ein Sechstel aller sicher wirtschaftlich gewinnbaren Gasreserven der Welt. Hinzu kommen umfangreiche potentielle Ressourcen, vor allem in West- und Nordsibirien.
Erdgasförderung
545 Milliarden Kubikmeter (mÂł) (2004)
Leitungsnetz
Das Fernleitungsnetz von Gazprom, mit einer LĂ€nge von rund 150.000 Kilometer das weltweit grĂ¶ĂŸte, transportiert Erdgas zu 179 Verteilungsstationen. Über ein Weiterverteilungsnetz von 428.000 Kilometer werden Unternehmen und Haushalte in rund 80.000 StĂ€dten und Ortschaften in Russland beliefert.
Umsatz
rund 48 Milliarden US-Dollar (2005, ohne Sibneft)
72,61 Milliarden US-Dollar (2007)cite-ref-umsatz2014-18-0[18]
159,97 Milliarden US-Dollar (2013)cite-ref-umsatz2014-18-1[18]
67,24 Milliarden US-Dollar (2014)cite-ref-umsatz2014-18-2[18]
91,35 Milliarden US-Dollar (2016)
122,6 Milliarden US-Dollar (2019)cite-ref-forbes2005-6-1[6]
Exportumsatz
rund 25 Milliarden US-Dollar (2005 geschÀtzt)
Reingewinn
161 Milliarden Rubel oder 4,689 Milliarden Euro (34,3347 Rubel fĂŒr 1 Euro)
Reingewinn
geschÀtzt knapp 25 Milliarden US-Dollarcite-ref-19[19] (2007)
Wertpapierkennnummern
fĂŒr die ehemaligen ADR: 903276 (WKN) und US3682872078 (ISIN)

| Milliarden Kubikmeter | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2020 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erdgas | 552,5 | 555,0 | 556,0 | 548,6 | 549,7 | 461.5 | 508.6 | 454,5 |
| Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Gazprom in Zahlen 2004–2008 [ 20 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | |

Die Gazprom-Gruppe förderte 2010 rund 508,6 Mrd. Kubikmeter Erdgas; davon wurden 262,1 Mrd. Kubikmeter entsprechend 52 % der jĂ€hrlichen Förderung zu einem Durchschnittspreis von 58,2 € pro 1000 Kubikmeter in Russland und 70,2 Mrd. Kubikmeter entsprechend 14 % der jĂ€hrlichen Förderung zu einem Durchschnittspreis von 159,1 € pro 1000 Kubikmeter in Staaten der ehemaligen Sowjetunion abgesetzt. 2010 wurden 148 Mrd. Kubikmeter entsprechend 29 % der jĂ€hrlichen Förderung wurden einem Durchschnittspreis von 184 € pro 1000 Kubikmeter in Staaten außerhalb der ehemaligen Sowjetunion exportiert, davon 144 Mrd. Kubikmeter in europĂ€ische Staaten.

| Milliarden Kubikmeter | 2010 | 2019 | 2020 | | | | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 35,3 | 44,9 | 41,6 | | | | |
| TĂŒrkei | 16 | 15,4 | 16,4 | | | | |
| Italien | 13,1 | 22 | 20,9 | | | | |
| Polen | 11,8 | 9,7 | 9,7 | | | | |
| Großbritannien | 10,7 | 59 | 8,9 | | | | |
| Schweiz | 17,4 | 6,6 | 9,10 | | | | |
| Tschechische Republik | 9 | 2,2 | 4,1 | | | | |
| Frankreich | 8,9 | 13 | 14 | | | | |
| Ungarn | 6,9 | 10,5 | 8,6 | | | | |
| Slowakei | 5,8 | 6,5 | 7,6 | | | | |
| Österreich | 5,6 | 9,1 | 10,6 | | | | |
| Finnland | 4,8 | 2,5 | 1,6 | | | | |
| Niederlande | 4,3 | 16,3 | 48,1 | | | | |
| RumÀnien | 2,6 | 1,1 | 1 | | | | |
| Bulgarien | 2,3 | 2,4 | 2,3 | | | | |
| Griechenland | 2,1 | 2,5 | 3,1 | | | | |
| Serbien | 2,1 | 2,2 | 1,4 | | | | |
| Kroatien | 1,1 | 2,3 | 1,8 | | | | |
| Belgien | 0,5 | 1,3 | 1,3 | | | | |
| Slowenien | 0,5 | 0,3 | 0,4 | | | | |
| Bosnien und Herzegowina | 0,2 | 0,2 | 0,2 | | | | |
| Mazedonien | 0,1 | 0,2 | 0,3 | | | | |
| Gesamt | 144,1 | 223,6 | 203,9 | | | | |
| Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] | Quellen : Corporate brochure 2020 Results [ 22 ] ; Gazprom Annual Report 2010 [ 21 ] [ 17 ] |

2014 lieferte Gazprom 30,2 Prozent der Gasimporte der EuropÀischen Union.cite-ref-23[23]

Gazprom verfĂŒgt (Stand: November 2017) ĂŒber die weltweit grĂ¶ĂŸten ErdgasvorrĂ€te. Ihr Anteil an den GasvorrĂ€ten betrĂ€gt 17 Prozent weltweit und 72 Prozent in Russland. Auf Gazprom entfallen 11 Prozent der weltweiten und 66 Prozent der russischen Gasförderung. GegenwĂ€rtig implementiert der Konzern aktiv großangelegte Projekte zur Erschließung von Gasressourcen auf der Halbinsel Jamal, auf dem Arktis-Schelf, in Ostsibirien und im Fernen Osten sowie mehrere Projekte zur Prospektion und Förderung von Kohlenwasserstoffen im Ausland.

Der Konzern besitzt das weltweit grĂ¶ĂŸte Gastransportsystem, dessen LĂ€nge sich auf 171.200 Kilometer belĂ€uft und es Russland theoretisch ermöglicht, Erdgas ĂŒber die Ostsee sowie die Ostseepipeline (Nord Stream) zu verkaufen. In der Region um Wladiwostok am Pazifik bestehen HĂ€fen mit weiteren Exportmöglichkeiten. Im Pazifikbereich bestehen die beiden „Sakhalin“-Projekte. Die beiden Projekte werden durch eine nördlich von den Komplexen erbaute Infrastruktur fĂŒr FlĂŒssigerdgas sowie zahlreiche Tanks und petrochemische GebĂ€ude unterstĂŒtzt.

Unternehmensdetails

EigentĂŒmerstruktur

Die Gesamtzahl der AktionĂ€re betrĂ€gt ĂŒber 500.000 juristische und natĂŒrliche Personen. Der russische Staat kontrolliert ĂŒber eine Mehrheit im Aufsichtsrat das Management.cite-ref-russlandanalysen-24-0[24]

Der Anteilsbesitz verteilte sich wie folgt: (Stand: 2012)cite-ref-25[25]

‱ Russische Föderation: 50,002 Prozent
‱ Hinterlegungsscheine auf US-Dollar („American Depositary Receipts“), ausgegeben von der Bank of New York Mellon: 26,955 Prozent
‱ Andere AktionĂ€re: 23,043 Prozent

Ende 2016 waren 10 Prozent an Rosneftgaz ĂŒbergegangen und die Föderale Agentur zur Verwaltung des Staatseigentums war auf 38,37 Prozent reduziert worden.cite-ref-26[26]

Die Begrenzung des Aktienanteils von AuslĂ€ndern auf höchstens 20 Prozent wurde Ende 2005 aufgehoben. Einer der grĂ¶ĂŸeren auslĂ€ndischen AktionĂ€re war der deutsche E.ON-Konzern, der zwischen 1998 und 2003 6,4 % der Gazprom-Aktien kaufte. 2010 verkaufte er sie wieder. Leiter der Revisionsabteilung sind (2018) Vadim Bikulov und Petr Enis.cite-ref-27[27]

Tochtergesellschaften

‱ Gazprom-Media (mittelbar ĂŒber Gazprombank)
‱ Gazprom Neft (frĂŒher Sibneft)
‱ NIGAZ (mit Nigerias staatlichem Energieversorger NNPC)
‱ Gazprom Zentrenergogas

Gazprom hat 61 hundertprozentige Tochtergesellschaften und hÀlt bei 45 weiteren Unternehmen die Aktienmehrheit. Beteiligt ist Gazprom an 69 Unternehmen, darunter die Horizon Investment Company.

UnternehmensfĂŒhrung

Der Aufsichtsrat wird jeweils von der Hauptversammlung der AktionĂ€re gewĂ€hlt. Der Vorsitzende und die Mitglieder des Verwaltungsrates werden vom Aufsichtsrat fĂŒr fĂŒnf Jahre gewĂ€hlt.cite-ref-28[28] Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Wiktor Subkow. Vorstandsvorsitzender von Gazprom ist Alexei Miller. Seit August 2021 hat Gazprom seine Unternehmenszentrale im Sankt Petersburger Lachta-Zentrum, dem gegenwĂ€rtig höchsten GebĂ€ude Europas.

Gaspreispolitik

Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2008

Im Inland fordert der Staatskonzern Gazprom Gaspreise, die deutlich niedriger sind als die Preise fĂŒr Lieferungen ins Ausland, da im eigenen Land die Maximierung der gesellschaftlichen Gesamtwohlfahrt im Vordergrund steht. So erklĂ€rt sich, dass Gazprom zwar mengenmĂ€ĂŸig knapp zwei Drittel seines Gases im Inland absetzt, damit aber nur rund ein Drittel der Umsatzerlöse erzielt. Manche Experten halten die Inlandspreise fĂŒr einzelne Verbrauchergruppen fĂŒr nicht kostendeckend.

Der Gaspreis an der New Yorker NYMEX lag Ende 2007 wiederum bei 7,53 $ pro MMBtu, bei 26,4 mÂł pro MMBtu oder 37,88 MMBtu pro 1000 mÂł, ergibt dies einen Preis von 285 $ pro 1000 mÂł. Auf die Endverbraucher-Einheit umgerechnet sind dies 2,57 US-ct bzw. etwa 2 Euro-cent pro kWh.

Im ExportgeschÀft berechnet Gazprom Pressemeldungen zufolge sehr unterschiedliche Preise.

Die folgenden Preise beziehen sich jeweils auf 1000 Norm-Kubikmeter Erdgas:

| Staat / Region | Gaspreis 2005 in US-$ | Gaspreis 2006 in US-$ | Gaspreis 2007 in US-$ | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Armenien Armenien | 56 [ 29 ] | 110 [ 29 ] | 110 [ 29 ] | Preis blieb bis 2009 konstant fĂŒr die Abtretung der Gasnetze |
| Aserbaidschan Aserbaidschan | 60 [ 29 ] | 110 [ 29 ] | 235 [ 29 ] | |
| Baltikum | 90 [ 29 ] | 123 [ 29 ] | 240 [ 29 ] | |
| Belarus Belarus | 47 [ 29 ] | 47 [ 29 ] | 110 [ 29 ] | schrittweise Erhöhung auf Westeuropa-Niveau bis 2011 vereinbart, Kaufoption fĂŒr Gasnetz |
| Deutschland Deutschland | 200 [ 29 ] | 250 [ 29 ] | k. A. | |
| Georgien Georgien | 68 [ 29 ] | 110 [ 29 ] | 235 [ 29 ] | |
| Moldau Republik Moldau | 80 [ 29 ] | 160 [ 29 ] | 170 [ 29 ] | |
| Polen Polen | 120 [ 29 ] | 260 [ 30 ] [ 31 ] | 290 [ 32 ] | |
| Russland Russland | k. A. | 42,6 | 49 | |
| Ukraine Ukraine | 50 [ 29 ] | 95 [ 29 ] | 130 [ 29 ] | |
| Westeuropa | 174 [ 29 ] | 250 [ 29 ] | 260 [ 29 ] | |

Russland hat die EuropÀische Energiecharta nicht ratifiziert. 2004 hatte Gazprom einen Anteil von 87 Prozent an der russischen Erdgasproduktion.cite-ref-russlandanalysen-24-1[24]

Gasstreit

Gasstreit mit der Ukraine 2005/2009

→

Hauptartikel

:

Russisch-ukrainischer Gasstreit

Ende 2005 lief der Vertrag ĂŒber Gaslieferungen der Gazprom an die Ukraine aus. Verhandlungen ĂŒber einen neuen Vertrag fĂŒhrten zu keiner Einigung. Gazprom forderte eine Preiserhöhung um 360 Prozent (vom sehr niedrigen Preis von 50 US-Dollar je 1000 Kubikmeter) auf 230 US-Dollar (das Preisniveau der Lieferungen an westeuropĂ€ische AbnehmerlĂ€nder). Eine Anhebung des Gaspreises entsprach nicht nur den Gewinninteressen der Gazprom-Gesellschafter, sondern auch Forderungen der Welthandelsorganisation (WTO), die wettbewerbsverzerrende Energiepreissubventionen ablehnt. Die Ukraine war lediglich zu einer schwĂ€cheren Erhöhung des Preises bereit. In der Folge kamen am 1. Januar 2006 nur noch 120 Millionen Kubikmeter Gas in der Ukraine an. Bereits einen Tag spĂ€ter betraf der Konflikt weitere Staaten, fĂŒr deren Gasbezug per Pipeline die Ukraine lediglich ein Transferland ist.

Im weiteren Verlauf des Streits beschuldigte Gazprom den ukrainischen Gasversorger Naftohas, illegal Pipelines anzuzapfen, die durch die Ukraine fĂŒhren und Erdgas nach Westeuropa transportieren. Der ungarische Gasversorger MOL stellte laut eigenen Angaben einen RĂŒckgang der Gasmenge um ein Viertel fest.

Wenige Tage nach Einstellung der Lieferungen an die Ukraine kam es zu einer Einigung. Gazprom nahm die Lieferungen an die Ukraine wieder auf.

Im Laufe des Jahres 2006 wich die neue Regierung der Ukraine unter dem prorussischen MinisterprĂ€sidenten Wiktor Janukowytsch einem neuerlichen Streit aus und einigte sich diesmal schon frĂŒh mit Gazprom ĂŒber den Preis fĂŒr 2007: 130 US-Dollar (100 Euro) fĂŒr 1000 Kubikmeter Gas sind zwar 40 Prozent mehr als 2006, aber nur die HĂ€lfte des Gaspreises, den Russland von anderen ehemaligen Sowjetrepubliken verlangt.

Wirtschaftlich stellten die DurchleitungsgebĂŒhren fĂŒr Gazprom auch im Jahr 2018 keinen nennenswerten Faktor dar. Die Umgehung der Ukraine durch die neu zu bauende Leitung Nord Stream 2 war rein politisch bedingt und belastete die Gazprom-Rechnung.cite-ref-profiteure-11-2[11]

Konflikte mit Belarus und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken

Im Dezember 2006 kulminierte der aus erhöhten Preisforderungen hervorgegangene Streit Gazproms mit Belarus, von dem statt bisher etwa 50 US-Dollar pro 1000 mÂł (relativ gĂŒnstig) nun 105 US-Dollar gefordert wurden. Gleichzeitig sollte Russlands westlicher Nachbarstaat 50 Prozent der Anteile am Erdgas-Verteilersystem an den Energiekonzern abtreten.

Zu Preisstreitigkeiten Gazproms in geringerem Maß als der mit der Ukraine und mit Belarus kommt es auch mit zwei anderen Erdöl-Lieferanten der ehemaligen Sowjetunion – mit den zentralasiatischen Staaten Usbekistan und Turkmenistan. Ende 2006 musste das kleine Tadschikistan bzw. sein Versorgungsunternehmen Tajikgaz einem fast verdoppelten Preis fĂŒr Erdgas aus Usbekistan zustimmen; das diesbezĂŒgliche Marktvolumen betrug 2007 insgesamt 700 Millionen Kubikmeter Gas fĂŒr 70 Millionen US-Dollar (100 US-Dollar pro 1000 mÂł). Usbekistan ist nach Russland und Turkmenistan der drittgrĂ¶ĂŸte Erdgaslieferant der frĂŒheren Sowjetunion.

Kartellverfahren der EuropÀischen Kommission gegen Gazprom

Im September 2011 ließ die EU-Kommission Hausdurchsuchungen bei mehreren Gasunternehmen durchfĂŒhren. Betroffen waren neben Gazprom auch RWE und E.ON. Die Unternehmen standen im Verdacht, gemeinsame Sache gemacht und unter anderem MĂ€rkte aufgeteilt zu haben. Es ging auch um den Verdacht, dass Gazprom allein die anderen Unternehmen ĂŒbervorteilt. In mehreren europĂ€ischen LĂ€ndern wurden die BĂŒros von Gazprom durchsucht und etwa 150.000 Akten sichergestellt. Nach Auswertung der Daten eröffnete die EU-Kommission im September 2012 ein Wettbewerbsverfahren, weil der Konzern seine dominante Marktposition in osteuropĂ€ischen Mitgliedsstaaten der EU missbrauche. Die Kommission warf Gazprom die Behinderung des Gastransports, die Abschottung des Marktes und unfaire Preise vor. Auf diese Weise habe Gazprom seine Monopolstellung auf den osteuropĂ€ischen EnergiemĂ€rkten sichern wollen.cite-ref-33[33]cite-ref-euobserver-34-0[34]

Am 22. April 2015 veröffentlichte die EU-Kommission ihre vorlĂ€ufigen Untersuchungsergebnisse. Demzufolge verhindere Gazprom den Wettbewerb in acht Mitgliedsstaaten der EU. Die betroffenen LĂ€nder sind Bulgarien, Tschechien, Estland, Ungarn, Litauen, Lettland, Polen und die Slowakei. Gazprom breche die Wettbewerbsregeln, indem der Konzern diese MĂ€rkte abzuschotten versuche. In den betroffenen Staaten hat Gazprom seine LiefervertrĂ€ge um territoriale Restriktionen wie Destinations- oder Exportverbot-Klauseln ergĂ€nzt. Damit verhindere der russische Konzern, dass russisches Gas ĂŒber Grenzen weitergehandelt wurde (z. B. als Reverse-Flow) und die GroßhĂ€ndler auf Preisdifferenzen reagieren konnten. Das Unternehmen setze zudem seine unfaire Preispolitik fort, die in manchen FĂ€llen mit ĂŒber 40 % unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig ĂŒber Orientierungswerten wie Produktions- und Transportkosten, Marktpreisen, Preisen in anderen MĂ€rkten liege. Dies sei laut Kommission in Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen und Polen der Fall. Zudem habe der Konzern Gaslieferungen mit davon unabhĂ€ngigen Infrastrukturentscheidungen verknĂŒpft. Zum Beispiel machte Gazprom in Bulgarien Gaslieferungen von der Teilnahme des Gasimporteurs und -hĂ€ndlers bei der South-Stream-Pipeline und in Polen von der Kontrolle ĂŒber Investitionsentscheidungen bei der Jamal-Europa-Pipeline abhĂ€ngig.cite-ref-35[35]

Im April 2018 wurden interne Dokumente der EU-Kommission den Medien zugespielt. Demnach habe Gazprom nach EinschĂ€tzung der Kommission gezielt Druck auf die Regierungen osteuropĂ€ischer EU-LĂ€nder ausgeĂŒbt und fungiere als verlĂ€ngerter Arm der russischen Außenpolitik. Laut den veröffentlichten Dokumenten habe vor allem Deutschland von besonders vorteilhaften Konditionen auf Kosten anderer Mitgliedsstaaten profitiert. WĂ€hrend zum Beispiel Polen 350 US-Dollar je 1000 Kubikmeter berechnet wurden, musste das weiter entfernte Deutschland 200 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter zahlen. Auch DĂ€nemark, Finnland, Italien und die Niederlande seien von stark ĂŒberteuerten Preisen betroffen, die Kommission wollte diese LĂ€nder jedoch nicht in ihrem Kartellverfahren berĂŒcksichtigen. Um einer Wettbewerbsstrafe in Milliardenhöhe zu entgehen, unterbreitete Gazprom der EU-Kommission einen Kompromissvorschlag, den die Kommission laut Medienberichten und laut Aussagen von Mitgliedern des EuropĂ€ischen Parlaments annehmen wolle. Eines der veröffentlichten Dokumente zeigt allerdings, dass die EU-Kommission das Angebot Gazproms negativ einschĂ€tzte. Polnische Politiker warfen vor allem Deutschland vor, die Veröffentlichung der Ermittlungsergebnisse unterdrĂŒckt und eine gĂŒtliche Einigung mit Gazprom angestrebt zu haben.cite-ref-euobserver-34-1[34]cite-ref-36[36]cite-ref-37[37]

Gazprom verpflichtet sich in der Vereinbarung vom 24. Mai 2018, alle BeschrĂ€nkungen zum Weiterverkauf zu beseitigen. Im zweiten Punkt liefert Gazprom relevanten Kunden auch Gas, das hĂ€tte in den Verbund, zum Beispiel Ungarn, geliefert werden sollen, auch nach Bulgarien oder in den Baltikum, beides Gebiete, die ungenĂŒgend verbunden sind. Gazprom ist damit verpflichtet zur Integration isolierter MĂ€rkte. Der dritte Punkt betrifft die Preise in abgeschotteten LĂ€ndern, wobei die Kunden der abgeschotteten MĂ€rkte alle zwei Jahre niedrigere Preise verlangen können, wenn das westeuropĂ€ische Preisniveau ĂŒberstiegen wird. Bei Nichteinigung wĂŒrde in diesen FĂ€llen ein Schiedsgericht angerufen. Der letzte Punkt lautet Keine Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung. Diese Verpflichtungen sind rechtlich bindend. Kommt Gazprom einer Verpflichtung wĂ€hrend der GĂŒltigkeit von acht Jahren nicht nach, kann die Kommission eine Busse bis zu zehn Prozent des weltweiten Umsatzes aussprechen.cite-ref-38[38]

Russischer Überfall 2022

Die Gazprom ist ein Akteur im russisch-europĂ€ischen Gasstreit; die Speicher in Europa, die vermeintlich die Versorgungssicherheit Europas erhöhen sollten, wurden von Gazprom nach dem Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 nicht mehr gefĂŒllt, respektive sogar geleert. Gazprom setze seine Speicher derart „als Waffen ein, um die Gaspreise in die Höhe zu treiben und die EuropĂ€er im Ukraine-Krieg zum Einknicken zu zwingen“, so Der Standard.cite-ref-39[39]

Vor allem aufgrund des stark zurĂŒckgegangenen Absatzes fĂŒr Russisches Gas in Europa meldete der Konzern im Jahr 2023 zum ersten Mal seit Jahrzehnten einen Verlust. Der Nettoverlust belief sich auf 629 Milliarden Rubel, umgerechnet 6,4 Milliarden Euro.cite-ref-40[40]

Gazprom muss mit Gerichtsentscheid 2024 13 Milliarden Euro fĂŒr nicht geliefertes Gas an Uniper zahlen.cite-ref-41[41]

Russische PlĂ€ne fĂŒr die EuropĂ€ische Union ab 2007

Nach einem Bericht der von Boris Beresowski nach 1999 wiederaufgebauten russischen Wirtschaftszeitung Kommersant aus dem MĂ€rz 2007 sĂ€hen Gazprom-Manager den direkten Zugang zu jeder Gasheizung in Deutschland und Europa als ihr Ziel. Dies bedeute, dass sie ZwischenhĂ€ndler umgehen könnten, pro tausend Kubikmeter Gas 400 bis 500 US-Dollar einnĂ€hmen, statt wie bisher 290 Dollar, und der Endverbraucher ebenfalls niedrigere Preise zahlte. Wenn Gazprom die Anteile an lokalen Gasversorgern in Deutschland erwerben könne, und sich gleichzeitig mit anderen Gasproduzenten wie Algerien, Iran, Katar und Venezuela zu einer Organisation wie der OPEC zusammenschließe, wĂŒrde das die westlichen Energieunternehmen entmachten. In diesem Szenario könne Russland Europa die Preise diktieren und die EU wĂŒrde in Energiefragen abhĂ€ngiger von Moskau. Europa versuche diese Expansion von Gazprom zu verhindern, doch das Unternehmen halte unbeirrt an seinen Zielen fest.cite-ref-42[42] Seit 2001 ist das Forum Gas exportierender LĂ€nder (GECF) der Ansatz zur Entwicklung eines Äquivalents zur OPEC im Erdgassektor.

Am 15. April 2007 kĂŒndigten Gazprom und Soteg den Bau eines Gasturbinenkraftwerks in EisenhĂŒttenstadt an. Die PlĂ€ne wurden mit einer Finanzkrise 2009 hinfĂ€llig.

Die ExpansionsplĂ€ne von Gazprom stießen in Deutschland teils auf politischen Widerstand. Der damalige hessische MinisterprĂ€sident Roland Koch wandte sich Anfang Juli 2007 in einem Interview mit der Zeitung Bild am Sonntag gegen die ExpansionsplĂ€ne von Gazprom in Deutschland: „Wenn der russische Konzern Gazprom plötzlich von der Rohstoffgewinnung bis zum deutschen Energiekonzern alles in der Hand halten wĂŒrde, dann wĂ€re etwas falsch gelaufen. Das fĂ€nde ich eine gefĂ€hrliche AbhĂ€ngigkeit“, erklĂ€rte Koch. „Es kann nicht sein, dass zum Beispiel von uns in Deutschland privatisierte Unternehmen, beispielsweise in der Energiewirtschaft, auf einmal auslĂ€ndischen Regierungen gehören.“ Koch forderte in diesem Zusammenhang einen gesetzlichen Schutz vor unerwĂŒnschten Investoren aus dem Ausland.cite-ref-43[43]

Im Juli 2008 wurde bekannt, dass Gazprom die gesamten Erdgas- und Erdölexporte Libyens zu aktuellen Marktpreisen aufkaufen wolle. Auch die Energieexporte weiterer Staaten sollen aufgekauft werden.cite-ref-44[44] Dabei wird die zukĂŒnftige Strategie Gazproms auch sehr kritisch betrachtet, wie u. a. JĂŒrgen Roth festhĂ€lt.cite-ref-45[45]

Im Sommer 2013 erkannte Gazprom die Entscheidung eines internationalen Schiedsgerichts an, wonach die langfristigen Vertragspreise im Gashandel mit RWE auf die – seit 2010 gefallenen – Marktpreise zu reduzieren seien.cite-ref-46[46] Durch die Überweisung aus Moskau konnte RWE trotz Abschreibungen aus dem KraftwerksgeschĂ€ft ein positives GeschĂ€ftsergebnis ausweisen.cite-ref-47[47]

Mysteriöse TodesfÀlle

Die Zeitung Newsweek zitiert aus dem vom US-Medienkonzern CBS produzierten Dokumentarfilm Secrets of the Oligarch Wives von Bill Browder ĂŒber eine Serie von mindestens fĂŒnf TodesfĂ€llen mit Bezug zu Gazprom. Mehrere Oligarchen und Manager aus dem Umfeld des Konzerns wurden 2022 tot aufgefunden, teilweise mit Ehefrau und Kindern. Als offizielle Todesursache gaben die russischen Behörden Suizid, UnglĂŒck und Vergiftung beim Schamanen an. Aufgrund der HĂ€ufung der TodesfĂ€lle wird vermutet, dass es sich um Morde handele, die als UnglĂŒck oder Suizid ausgegeben wurden. Überlebende Familienangehörige berichteten, ein Suizid sei ausgeschlossen. In dem Film behauptet der russische Banker German Gorbuntsow, die TodesfĂ€lle seien kein Zufall. In London ĂŒberlebte er 2012 einen Mordanschlag, der mutmaßlich von einem Moskauer Verbrechersyndikat verĂŒbt wurde. Personen aus dem Kreml-Umfeld versuchen möglicherweise, Spuren zu verwischen, die eventuelle BetrĂŒgereien in Staatskonzernen aufdecken könnten, so die polnischen Denkfabrik „Warsaw Institute“.cite-ref-48[48]

Kritik

Der deutsche Publizist JĂŒrgen Roth behauptete im Dezember 2005 in einem Spiegel-Interview, Gazprom stehe „fĂŒr Korruption, fĂŒr eine gigantische Selbstbereicherung der frĂŒheren sowjetischen Nomenklatura, der neuen russischen Business-Elite und kriminellen Strukturen.“cite-ref-49[49]

Stern-Redakteur Hans-Martin Tillack bezeichnete die BetĂ€tigung Gazproms in Europa als „Invasion“ und sprach von „Briefkastenfirmen, die nicht einmal einen Briefkasten haben“, ferner von „ineinander verschachtelte[n] Firmen und Unterfirmen, die vor allem eins bewirken: Sie verbergen GeldflĂŒsse“.cite-ref-50[50]

Greenpeace kritisierte Gazprom, weil das Unternehmen in der Arktis nach Öl bohrt, unter anderem auch mit einer Aktion beim Champions-League-Spiel in Basel gegen den von Gazprom gesponserten FC Schalke 04cite-ref-51[51]cite-ref-52[52] oder mit einer Aktion eines im Öl sterbenden Ballett-Schwans vor der Tonhalle ZĂŒrich anlĂ€sslich einer ebenfalls von Gazprom gesponserten Produktion.cite-ref-53[53] Ebenfalls gewann Gazprom hierfĂŒr 2014 den Negativpreis Public Eye Award in der Kategorie „Publikum“.

Sponsoring und Beteiligungen

FC Schalke 04

Gazprom war seit dem 1. Januar 2007 Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04. Noch 2021 wurde der Vertrag auf 2025 mit 10 Mio.€ pro Jahr verlĂ€ngert, was der Manager Matthias Warnig (ehemaliger Major des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit (Stasi) der DDR und Chef der Nord Stream 2 AG), der von Gazprom in den Aufsichtsrat von FC Schalke 04 entsandt wurde, begrĂŒĂŸtecite-ref-54[54].

Um seinen Bekanntheitsgrad in Deutschland zu steigern, schloss Gazprom einen ĂŒber fĂŒnfeinhalb Spielzeiten laufenden Sponsoringvertrag mit dem FC Schalke 04 ab. Gazprom zahlt dem Verein einen Sockelbetrag von rund 12 Millionen Euro pro Jahr. AbhĂ€ngig vom sportlichen Erfolg gibt es Zulagen, so dass das Sponsoring ĂŒber einen Zeitraum von 5 Jahren die Gesamtvertragslaufzeit ein Volumen von bis zu 125 Millionen Euro erreichen kann.cite-ref-55[55] Im Mai 2011 wurde der Vertrag zwischen Schalke und Gazprom bis Ende Juni 2017 verlĂ€ngert.cite-ref-56[56]

Bereits vor der Annexion der Krim 2014 hat sich das Fanzin Schalke Unser mit der Problematik des Hauptsponsors in einem Interview mit dem Publizist JĂŒrgen Roth in Nov. 2013 beschĂ€ftigt, der vor der Zusammenarbeit warnte, was von dem Magazin, wegen der AktualitĂ€t 2 Tage nach dem Einfall in die Ukraine nochmals veröffentlicht wurde: „Fußball interessiert Gazprom im Prinzip einen Dreck. Das Interesse von Gazprom geht weit darĂŒber hinaus, Sportvereine zu sponsern. Vielmehr geht es Gazprom darum, seine energiepolitischen Ziele umzusetzen. Mit dem Trikotsponsoring machen die Schalke-Fans, ob sie wollen oder nicht, Propaganda fĂŒr ein totalitĂ€res System in Russland. Die Fans werden dabei zum Spielball der Interessen von Gazprom und dem „lupenreinen Demokraten“ Putin.[
] Plakativ gesagt ist Gazprom die politische Waffe des Kreml-Systems und vor allen Dingen auch die wirtschaftliche Waffe. [
] In Polen wurde der ZwischenhĂ€ndler Aleksander Gudzowaty nachweislich mit dem Tode bedroht, bei Gazprom Deutschland arbeiten frĂŒhere Stasi-Mitarbeiter in FĂŒhrungspositionen. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Matthias Warnig war frĂŒher in der DDR-Handelsmission in DĂŒsseldorf tĂ€tig und bekam fĂŒr seine damaligen Verdienste von Stasi-Chef Mielke einen Orden. Hinzu gesellt sich als Chef der Gazprom Germania Hans-Joachim Gornig, den die DDR einst mit dem „VaterlĂ€ndischen Verdienstorden in Bronze“ auszeichnete. Zudem liegen mir GeldwĂ€scheverdachtsanzeigen des Deutschen Zolls vor. Kuriere, die fĂŒr Tochtergesellschaften von Gazprom tĂ€tig waren, haben laut Zollunterlagen unter anderem in der Schweiz Millionen US-Dollar deponiert.“cite-ref-57[57]

Seit 2017 erhielt Schalke jĂ€hrlich 20 Millionen Euro ĂŒber einen Zeitraum von 5 Jahren (Gesamtvolumen 100 Mio. €).cite-ref-58[58]

Am 24. Februar 2022 trat Matthias Warnig, im Aufsichtsrat von FC Schalke 04 zurĂŒck. Am selben Tag gab Schalke 04 bekannt, in den folgenden Ligaspielen auf den Schriftzug des Sponsors zu verzichten und stattdessen mit „FC Schalke 04“ auf der Brust aufzulaufen.cite-ref-59[59] Am 28. Februar 2022 beendete Schalke in Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine offiziell die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen.

Weitere Vereine

Gazprom ist EigentĂŒmer des russischen Fußballvereins Zenit Sankt Petersburg, Hauptsponsor des serbischen Superligisten FK Roter Stern Belgrad, des russischen Volleyballvereins ZSK Gazprom-Ugra Surgut und des russischen Tischtennisvereins Gazprom Fakel Orenburg.

Ab der Saison 2012/2013 war Gazprom offizieller Partner der UEFA Champions Leaguecite-ref-60[60] und seit 2015 – offizieller Partner des internationalen Fußballweltverbands FIFAcite-ref-61[61]. Am 28. Februar 2022 beendete die UEFA die Partnerschaft mit Gazprom.cite-ref-62[62]

Gazprom unterstĂŒtzte 2002 und 2003 außerdem das ehemalige italienische Formel-1-Team Minardi.

Gazprom ist Sponsor des 2009 gegrĂŒndeten russischen Profi-Radsportteams Katjuscha.

Ab 2009 war Gazprom Sponsor fĂŒr den Blue Fire Megacoaster im Europa-Park.cite-ref-63[63] Im Jahr 2020 ging das Sponsoring an das Tochterunternehmen Nord Stream 2 ĂŒber und 2022 wurde die Zusammenarbeit seitens Europa-Park abgebrochen.cite-ref-64[64]

Gazprom war Hauptsponsor des Nord Stream Race, die jĂ€hrlich von 2012 bis 2021 ausgetragen wurde. Gazprom sponserte den Bundescup „Spielend Russisch lernen“.

Dokumentarfilme

‱ Gigant Gazprom – Die Deutschen und ihr Gas aus dem Osten. Dokumentation, Deutschland, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Hubert Seipel, Produktion: WDR, Erstsendung: 2. Februar 2009, Besprechung:cite-ref-65[65]
‱ Gazprom – Die perfekte Waffe (90/45 min), DE 2022/2023. Regie: Dirk Laabs. Produktion: Spiegel TV in Koproduktion mit Kinescope Film GmbH.cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]

Siehe auch
Literatur

‱ Andreas Heinrich: Gazprom – ein verlĂ€sslicher Partner fĂŒr die europĂ€ische Energieversorgung? In: Russland-Analysen. Nr. 97, 28. April 2006, S. 2–6, doi:10.31205/RA.097.01.
‱ Stefan Scholl: Die Gasölmedienbankkolchose. In: Internationale Politik. Nr. 2, 2006, ISSN 0014-2476.
‱ Roland Götz: Nach dem Gaskonflikt. In: SWP-Aktuell. Nr. 3, 2006, ISSN 1611-6364.
‱ Gemma Pörzgen: Gasprom. Die Macht aus der Pipeline. EuropĂ€ische Verlagsanstalt, Hamburg 2007, ISBN 3-434-46814-5.
‱ Waleri Panjuschkin, Michail Sygar: Gazprom. Das GeschĂ€ft mit der Macht. Aus dem Russischen von Helmut Ettinger. Droemer, MĂŒnchen 2008, ISBN 3-426-27452-3.
‱ Johannes Voswinkel: Alle Rohre fĂŒhren nach Moskau. In: Die Zeit. Nr. 2, 3. Januar 2008, ISSN 0044-2070.
‱ JĂŒrgen Roth: Gazprom – das unheimliche Imperium. Wie wir Verbraucher betrogen und Staaten erpresst werden. Westend Verlag, Frankfurt 2012, ISBN 978-3-86489-000-0
‱ Frank Umbach: Erdgas als Waffe. Der Kreml, Europa und die Energiefrage. Edition.fototapeta, Berlin 2022, ISBN 978-3-949262-17-3

Englisch

‱ Anders Aslund: Gazprom’s Strategy. EuropĂ€isches Parlament, BrĂŒssel 21. November 2006 (SachverstĂ€ndigenaussage in der Anhörung zu Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Russland des Ausschusses fĂŒr internationalen Handel des EuropĂ€ischen Parlaments).

Weblinks

Commons

: Gazprom

– Sammlung von Bildern und Videos

‱ Johannes Voswinkel: Putins willige Handlanger. In: Die Zeit. Nr. 18, 27. April 2006.
‱ Johannes Voswinkel: Eine Macht fĂŒr 50 Jahre. In: Die Zeit. Nr. 44, 22. Oktober 2009.
‱ Gasprom – Russisch Monopoly – Wie entstanden Russlands große Vermögen?, Oktober 2005
‱ Matthias Kolb: Gazprom ist eine Waffe. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 23. Januar 2008 (Interview mit Waleri Panjuschkin).

Einzelnachweise

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55.65861111111137.556388888889coordinatesKoordinaten: 55° 39â€Č 31″ N, 37° 33â€Č 23″ O